Seewalchen-Venedig 2015 | 01.08.2015

Seewalchen-Venedig 2015

Seewalchen-Venedig Nonstop mit dem Rad

Drei Mal konnten die Österreicher Venedig schon erobern: 
1856 Kaiserin Sissi und 2009 und 2015 die Atterbiker

Bei gemütlichen Runden und Gesprächen rund ums Radeln wird sie immer wieder zum Thema – die legendäre Venedigfahrt im Jahr 2009, mit knapp 480 KM und 3.500 HM – und heuer gab es eine Neuauflage!

Die STRECKE......
Film von Rudi Schreiber

Fotos seewalchen-venedig-nonstop

Film von Helmut Seyerl


Am Freitag, 31. Juli um 23.00 haben sich 22 wackere Atterbiker-Cyclisti, darunter drei Damen, und zwei Legionäre,
Michi Nussbaumer (RAA-Mastermind aus St. Georgen) und Andreas Breuner (veganes-Kraftpaket vom RC-Frankenburg) auf den Weg nach Venedig gemacht. 


Für den Großteil war es eine Premiere und ein persönlicher Saisonhöhepunkt.

Wie bei den Atterbikern „ Stand der Technik“, war alles wieder perfekt durchorganisiert, eindeutig Jan´s Handschrift. Bei solch durchgeknallten Aktionen zeigt sich der Zusammenhalt im Verein. Denn ohne die vielen Helfer wäre das nicht möglich gewesen!

Allen voran unsere Haubenköchin Elisabeth Mayer, gemeinsam mit Maria Schreiber, Johanna Schachl, Verena Fleischhacker, Sabine Steinbichler und Ulli Loy. Über die anspruchsvolle Doppelrolle – Helfer und Fahrer – haben sich nur drei drüber getraut, Brigitte Mössenböck, Sabine Kindl und Fritz Loy, die sich auf den letzten 80 KM aufs Rennrad geschwungen haben.


Der Reihe nach …

Was macht man in einer Vollmondnacht am 31. Juli um 23.00? Natürlich, man steigt aufs Rad.
Abfahrt vom Autobahnparkplatz Seewalchen, beleuchtet wie Christbäume und top motiviert, haben wir uns auf den Weg gemacht und konnten schon in Litzlberg das Meer riechen.

Unser Pace-Car mit Jürgen Schütz, Heli Seyerl und Peter Zeitlhofer war immer ein treuer und wertvoller Begleiter. Gerade in der Nacht, die Absicherung nach hinten mit Drehleuchte und für trockene Kleidung zum Wechseln und natürlich als mobile Labe. 

Von der Stimmung angestachelt und bei frischen Temperaturen sind wir doch recht forsch entlang des Attersees, des Südufers des Mondsees und des Fußes der Drachenwand über Thalgau und Eugendorf nach Salzburg geradelt. 
Es muss ein sensationelles Bild gewesen sein um 01.00 auf dem Markatsteg in der salzburger Innenstadt. Nachtschwärmer, Festspielgäste im feinen Zwirn und die 24 wackeren Radler. Dann, die erste kurze Pause auf der B 1 Richtung Bad Reichenhall. Hektische Telefonate. Der große Begleitbus der Firma Weilbuchner hätte um 00.30 die Helfer mit wertvoller Fracht – Nudeln, Wasser, Kuchen und Kaffee – in Seewalchen abholen sollen und war nicht da. Kurz drauf, Entwarnung ein technisches Gebrechen, aber Ersatz ist schon unterwegs. 

Am kleinen deutschen Eck entlang der Saalach wurde es dann temperaturmäßig sehr ungemütlich und die Nachtfahrt setzte uns ganz schön zu. Auch die festlich-rot-beleuchteten Häuser entlang der Strecke wärmten uns nicht.
Im Saalachtal zwischen Lofer und Saalfelden kam noch böiger Gegenwind dazu. Jetzt waren unsere RAA´ler, die 24 Stunden Nürburgring-Umrunder und die Guarana-Verstärkung aus Frankenburg echt ihr Geld wert, der Zug rollte!

Kurz vor Saalfelden schloss auch unser „Mannschaftsbus“ (das weilbuchnersche 22-Meter Gespann) zu uns auf und wir durften die erste etwas längere Pause einlegen. Das nächtliche Treiben am Hoferparkplatz erregte auch die Aufmerksamkeit der Polizei – die freundlich, aber ungläubig kopfschüttelnd wieder abzog. Und Jan scheuchte uns wieder auf die Räder.
Mit allem was wir an trockener, warmer Reservekleidung hatten ging es über Zell am See weiter nach Mittersill. Mittlerweile war es 5.30 und wurde langsam dämmrig. Bei rund sieben Grad zehrte der rund 17 Kilometer lange Anstieg über den Felbertauern an unseren Kräften – zufrieden, erschöpft erreichten die Ersten um etwa 06.30 das Tunnelportal. Durch den Tunnel ging es mit dem Shuttelbus und nach der 14 Kilometer langen Abfahrt nach Matrei gab es nur ein Ziel – Elisabeths Nudeln, wahlweise mit Fleisch oder Gemüse. Best Nudeln ever!
Nach rund 220 Kilometern freuten sich alle auf eine etwas längere Pause, auch unsere Powernapper Andi und Robert. Jedoch hatte Jan wieder die Uhr im Auge und so ging es bald weiter.

Über Lienz und Sillian zum nächsten Stop in Toblach. Die Sonne zeigte sich vorsichtig und auch der Übermut unserer „jungen Burschen“ kam und so wurden die ersten Ausscheidungsrennen gefahren. 
In Toblach bekamen wir Verstärkung und so ging es 30 Radler hoch Richtung Cortina d´Ampezzo, durch ein landschaftlich wunderschönes Gebiet. Für ein weiteres Hochgefühl bei uns allen sorgte die erste Hinweistafel mit dem Richtungspfeil Venedig. Jetzt war es nicht mehr weit, naja rund 180 Kilometer, aber es ging stetig bergab, leider auf teils sehr schlechten Straßen mit viel Verkehr.

Gerade bei so einer Gewalttour braucht man auch die nötige Portion (Wetter)Glück und einen verlässlichen Schutzengel. Eine Abrisskante wurde Martin zum Verhängnis und es ist einzig dem Glück zu danken, dass er mit „nur“ zwei platten Reifen aus der Sache heil raus gekommen ist!

Wir fuhren in drei Gruppen weiter, auch um den Verkehr nicht unnötig zu behindern und passten so die Geschwindigkeit an die jeweiligen Teilnehmer an. Racing-Kameramann Rudi natürlich in der Spitzengruppe rund um unsere Rennpferde.
Das Ziel kam immer näher, die Straßen wurden flacher und unsere Stimmung stieg.
In Vittorio Veneto einmal noch Nudeln, Cola und Gel getankt und ab ging es auf die letzte Etappe. Landschaftlich nicht die Schönste, aber eine Triumpffahrt – für uns wie der Abschluss bei der TdF über die Champs-Élysées.

Nach 15 Stunden im Sattel und 19 Stunden unterwegs kamen wir im Hotel an und zisch, das erste Bier war weg. Aber auch jetzt schaute Jan, die Mutter der Kompanie, auf die Zeit. Rasch auf die Zimmer, duschen und dann Essen fassen.
 Eine Pizzeria musste es sein und ganz wichtig – ganz in der Nähe!
Der Abend verlief sehr ruhig, die Pizza war ausgezeichnet. Es soll sogar Leute gegeben haben, die bei Tisch eingenickt sind?!
 Für die Atterbiker völlig untypisch, vor Mitternacht waren alle im Bett. 
Auch der Wettergott war uns gewogen, kaum saßen wir im Lokal setzte Starkregen ein.

Nächster Morgen: Jan, tutto organizzato alla perfezione!

Bei der Abfahrt mit dem Bus Richtung Venedig haben sein RAA-Teamkollege Robert und Alpentour Trophy Partner Dominic im Hotel einfach abreißen lassen. Ein Pfiff und der Bus von Markus H. und sie hatten wieder aufgeschlossen …oder so ähnlich!

Endlich in Venedig! 
Eine wunderschöne Schiffsrundfahrt zu den Inseln Murano und Burano, zum Lido und über den Canale Grande war der krönende Abschluss. Mit tausenden Touristen haben wir uns über den Marcusplatz geschoben, ein schnelles Eis und guter italienischer Kaffee. Zurück zum Bahnhof sind wir von den touristischen Trampelpfaden etwas abgewichen und sofort in eine wundschöne Stadt mit kleinen Plätzen, engen Gassen und viel Flair eingetaucht.

Die kurze Strecken zum Bus mit dem Zug und um etwa 15.00 wieder in Richtung Heimat.
Wenn man das Haar in der Suppe finden will, hätte ich mich eher in der Osteria, als auf der Raststation auf der A 10 gesehen.


Auf der Heimfahrt war die Müdigkeit vom Vortag verflogen und die gelb schäumende Flüssigkeit schmeckte endlich wieder. Ganz wichtig die Nachbesprechung vom Wochenende im Flo´s.

Diese Fernfahrt war ein unglaubliches Erlebnis und ich danke Euch allen für das tolle Wochenende! 
Es muss einfach gesagt werden, „wir sind der lässigste Verein!“


und auch noch:

Daniel, 16 Jahre, ist die gesamte Strecke gefahren – Wahnsinnsleistung! 
(wie wir am Boot besprochen haben, „ich wünsche Dir, es zieht bei den Mädels!“)

Das Gleiche gilt natürlich auch für Manu und Angelika, obwohl die Beiden schon (knapp) über 16 sind.

Und alle, die die gesamte Strecke bewältigt haben!

Fritz und Minal. Vielen Dank, bei Euch waren wir perfekt aufgehoben und haben viel gelacht. Wobei ich persönlich den Rekord der Fagiti gern gebrochen hätte. 18 Mal wäre locker gegangen!

Wer uns und das RK schon unterstützt hat sehen sie hier