Am Mittwoch, dem 12. August 2026, um 16:09 Uhr war es endlich so weit: Der Start zur Race Around Austria Challenge stand bevor. 560 Kilometer rund um Oberösterreich, rund 6.500 Höhenmeter und die große Frage, was alles auf mich in diesem Rennen zukommen würde.
Denn eines war klar: Eine solche Distanz hatte ich zuvor noch nie bewältigt. Mehr als 220 Kilometer am Stück war ich bisher noch nicht gefahren. Nach rund einem dreiviertel Jahr Vorbereitung sollte sich nun zeigen, ob sich die vielen Trainingsstunden und die gesamte Vorbereitung bezahlt machen würden.
Der Start – das erste Mal Gänsehaut und hinein ins Abenteuer
Mit dem Startschuss, bei dem schon so viele Freunde und Bekannte Vorort waren, begann ein Abenteuer, das ich so schnell nicht vergessen werde. Die ersten Kilometer liefen sehr gut und ich hatte immer im Hinterkopf es ruhig und nicht zu intensiv anzugehen. Leichter gedacht als getan bei diesem Support. Besonders motivierend war für mich, dass ich von Beginn an wusste: Entlang der Strecke würden Familie, Freunde und Bekannte auf mich warten und mich unterstützen.
Ebenso wurde eine WhatsApp Gruppe gegründet, in der sich ca. 160 Personen befanden.
Gerade bei einem Rennen über eine solche Distanz ist dieser Rückhalt unglaublich viel wert. Immer wieder standen Menschen an der Strecke, feuerten mich an, machten Fotos und Videos, schrieben Nachrichten und motivierten mich somit.
Dadurch wurden schwierige Passagen leichter für mich.
Die Nacht – einer der schwierigsten Momente
Mit fortschreitender Zeit und mitten in der Nacht, als wir durch das hügelige Mühlviertel radelten, wurde die Belastung größer. Erste kleine Wehwehchen machten sich bemerkbar.
Nach einer brenzligen Situation kurz vor Freistadt musste ich der Müdigkeit Tribut zollen und eine ungeplante Zwangspause einlegen. 20 Minuten Schlaf und danach bei ca. 10°C wieder aufs Rad steigen, war einer der schwierigsten Momente.
Der Powernap hatte sich jedoch bezahlt gemacht und es ging danach für einige Zeit wieder gut vorwärts.
Gegenwind und lange Geraden
Eine der härtesten Passagen erwartete mich zwischen Mauthausen und Altenmarkt, bevor es auf den Hengstpass ging. Lange, teilweise endlos wirkende Geraden und dazu kräftiger Gegenwind machten diesen Abschnitt zu einer echten Geduldsprobe.
Gerade in solchen Momenten merkt man, dass dieses Rennen nicht nur eine körperliche, sondern mindestens genauso eine mentale Herausforderung ist. Kilometer für Kilometer arbeitete ich mich weiter und durfte den Blick nicht zu weit nach vorne richten. Motivierende Worte vom Team und die unzähligen Nachrichten, welche mir vorgelesen wurden, waren zu diesem Zeitpunkt unverzichtbar.
Ein Team, das zum ersten Mal gemeinsam unterwegs war
Ein mindestens genauso großer Teil des Erfolges gehört meinem Betreuungsteam. Für uns alle – inklusive mir – war die RAA Challenge und generell so ein Ereignis völliges Neuland. Trotzdem haben meine vier Betreuer von Anfang an unglaublich gute Arbeit geleistet.
Wir haben uns im Laufe des Rennens zu einem richtig guten und eingespielten Team entwickelt. Die Betreuung, Verpflegung und Navigation haben hervorragend funktioniert und mir immer wieder geholfen, auch schwierige Phasen zu überwinden.
Meine Highlights
Die Highlights waren der Hengstpass, der Ziehberg und die Großalmstraße. Hier war die Unterstützung entlang der Strecke grandios und ich konnte immer wieder die Schmerzen im unteren Rücken und im linken Knie ausblenden.
Immer wieder bekannte Gesichter zu sehen und die Anfeuerungen zu hören, gab unglaublich viel Energie.
Die letzten Kilometer
Nach 400, 450 und schließlich über 500 Kilometern begann langsam die Gewissheit einzusetzen: Ich werde es tatsächlich schaffen.
Ein besonderer Moment war auch die Durchfahrt durch Straß im Attergau – meinem Geburtsort. Dort schließt sich ein Kreis. Nach hunderten Kilometern auf dem Rad durch Oberösterreich wieder an einen Ort zu kommen, mit dem man persönlich so viel verbindet, war emotional etwas ganz Besonderes.
Nach 24 Stunden und 22 Minuten war es geschafft.
560 Kilometer. Rund 6.500 Höhenmeter. Platz 11.
Dieses Ziel erreicht zu haben bedeutet für mich persönlich sehr viel mehr. Dahinter stehen sehr viele Stunden an Vorbereitung, Müdigkeit, Zweifel, Schmerzen, unvergessliche Momente vor allem unglaublich viele Menschen, die mich auf diesem Weg unterstützt haben. Und man lernt sich selbst in gewissen Situationen von einer Seite kennen, von der man bis jetzt nur geträumt hat.
Die RAA Challenge war für mich eines der größten Abenteuer, die ich bisher gemacht habe. Ich bin mit Respekt vor dieser Herausforderung gestartet und mit vielen besonderen Erinnerungen im Ziel angekommen.
Ein riesiges Dankeschön geht an mein Betreuungsteam, an meine Familie, meine Freunde, Bekannten und an alle, die entlang der Strecke oder über Nachrichten mitgefiebert haben. Ohne diese Unterstützung wäre dieses Erlebnis nicht dasselbe gewesen.
Und wer weiß – vielleicht war diese Zielankunft nicht die letzte bei diesem großartigen Event.