Salzkammerguttrophy 2025 A-Strecke – Christian Langeneder

Bad Goisern, 12.Juli 2025, 4 Uhr 30, Morgengrauen, kühles, aber trockenes Wetter: Nach einer kurzen, unruhigen Nacht stehe ich nun am Marktplatz im Allgemeinen Startblock in der ersten Reihe. Vor mir nur der Startblock mit den Allerschnellsten der letzten Jahre, ca. 50 Fahrer, hinter mir noch weitere 370 Mitstreiter auf der A-Strecke. Wir haben alle dasselbe Ziel: Spätestes bis zum Einbruch der Nacht wieder heil und ohne Unfall endlich den Zielbogen vor uns zu erblicken.  Insgesamt liegen 203 km und gut 7000 Höhenmeter vor uns. Manche fahren auf Zeit, für viele ist das Ziel einfach nur Durchkommen. Die Stimmung um 5 Uhr früh muss man erlebt haben. Die Disco-Musik, die vielen Zuseher, die extra für uns aufgestanden sind und die Feuerfackeln treiben uns nach dem Startschuss auf die Strecke und geben uns einen Vorgeschmack auf das, was uns erwartet: „Einmal Hölle und zurück“ – einfach phänomenal. Mein persönliches Ziel ist Durchkommen und die Zeit des Vorjahres um eine halbe Stunde zu unterbieten.

Nach circa 2km Einrollen geht’s dann auch gleich mit dem ersten 1000HM-Anstieg in Richtung Raschberg los. Eigentlich hatte ich mir vorgenommen, bewusst gemütlich zu beginnen, aber die Euphorie, die anfeuernden Zuschauer und Partygruppen am Streckenrand, sowie so mancher bekannte Mitstreiter meiner Altersklasse in Sichtweite machten es schwer, meinen Vorsatz einzuhalten. Kurzum, ich war schnell. Nach ungefähr 2500 Hm am Ausseer Salzberg wird mir die Rechnung präsentiert. Die Beine werden schwer, jede Umdrehung der Pedale ein Willensakt, Müdigkeit ist da, erste Krämpfe, Schluss mit lustig! Okay! Hölle? Wenn du so weiterfährst, wird der Rest der Strecke wirklich höllisch! Also gut -neue Strategie: einen Gang zurückschalten, Puls um 10 Schläge runter, die Strecke überleben, nix wie raus aus Hölle….. und die neue Strategie ist erfolgreich: Der Körper erholt sich trotz der dauernd zu leistenden Höhenmeter langsam wieder. Die mental gesetzten Hochpunkte (z.B.Versorgungspunkte, wo man die Familie trifft) ebenso, wie die landschaftlichen Highlights und die anspruchsvollen Singeltrails lassen die anfängliche Euphorie allmählich wieder zurückkehren. Die Pedale rotieren wieder leichter und die Runde um den Hallstätter See ist trotz der beinahe 5000 Höhenmeter, die schon in den Beinen stecken, einfach ein Genuss, vielleicht auch deswegen, weil es hier kaum Höhenmeter gibt.

In Hallstatt biegen wir Richtung Echerntal ein. Das letzte Drittel der Strecke liegt nun vor uns. Leider steht heuer eine der schönsten, aber auch anstrengendsten Abschnitte – der legendäre Hallstätter Salzberg – aufgrund einer Baustelle nicht auf dem Programm.  Noch einmal geht es 1000Hm am Stück nach oben, bevor wir dann auf einem rasanten Forststrassen-Downhill zum Vorderen Gosausee mit dem prachtvollen Dachsteinpanorama hinunterrollen. Runter nach Gosau und nur noch ein letzter Anstieg mit 600 Höhenmeter! Geschafft! Die letzten 30km geht’s (fast) nur mehr bergab zurück nach Goisern und mit jedem Kilometer steigt die Freude, bis man von einer euphorischen Zuschauermenge geleitet, endlich die Ziellinie überqueren darf. Einmal Hölle und zurück in 11:25:58 Stunden, Platz 47/419 in der Gesamtwertung und Rang 6/104 in meiner Altersklasse M50 machen meinen heutigen Höllenritt unvergesslich.

PS: Mein Ziel eine halbe Stunde schneller als im letzten Jahr zu fahren, habe ich geschafft. Ein großes Dankschön an meine Familie für den perfekten Streckensupport!

Bildquellen: Marie Langeneder, sportograf.de