Ötztaler Radmarathon – Bernhard Holzinger

Bereits um 04:00 Uhr klingelte der Wecker, um sich beim 45. Ötztaler Radmarathon pünktlich um 05:10 Uhr einen der bestmöglichen Startplätze zu sichern. Um 06:30 Uhr fiel schließlich der Startschuss für die traumhafte Runde über 227 Kilometer und 5500 Höhenmeter – verteilt auf vier knackige Pässe – bei meiner zweiten Teilnahme nach 2024. Perfekte äußere Bedingungen trieben das Feld an und sorgten für einen historischen Paukenschlag an der Spitze: Jack Burke pulverisierte den Streckenrekord und stürmte mit einer Fabelzeit von 6:29:21 Stunden über die Ziellinie.

Das Rennen bot von Beginn an ein echtes Radsport-Spektakel. Schon am Kühtai kochte die Stimmung hoch und erinnerte an frenetische Szenen wie bei der Tour de France. Ein wahres Erlebnis für mich und ich erwischte mich sofort, dass ich mich von der Stimmung anstecken ließ und dadurch kurzzeitig zu flott unterwegs war. Danach ging es mit Rückenwind und einer gut harmonierenden Gruppe effizient über den Brenner, während der Jaufenpass mit guten Beinen und neuem, glatten Asphalt ein fast schon geschmeidiges Klettererlebnis bot.

Die wahren Prüfungen folgten jedoch im finalen Drittel. Hohe Temperaturen in St. Leonhard forderten ihren Tribut und sorgten für echtes Leiden am Endgegner Timmelsjoch, bevor das Rennen auf der letzten Abfahrt von Obergurgel nach Sölden mir eine kurze Schrecksekunde besorgte, als ich durch ein verlorenes Gel in einer Kurve wegrutschte und zu Sturz kam. In Sekundenschnelle wurde das geliebte Rad mit meinem eigenen Körper vor Schlimmerem bewahrt – die Rechnung dafür trug ich in Form von ein paar schmerzhaften Abschürfungen und einer kaputten Radkleidung davon.

Am Ende überwog jedoch der Stolz: Das große persönliche Ziel, bei der zweiten Teilnahme unter der für mich magischen Neun-Stunden-Marke zu bleiben, wurde mit einer  Zeit von 8:47:48 Stunden erreicht. Mit Gesamtplatz 651 von über 4.000 Teilnehmern und Rang 259 in der Altersklasse im Gepäck gilt im Zielbereich nur noch eine eiserne Radsport-Weisheit: Nach dem Ötzi ist vor dem Ötzi.