Massenstart um 13:00 Uhr in Nauders – rund 50 Teilnehmer machten sich gemeinsam auf den Weg.
Schon früh zeigte das Rennen seinen ganzen Charakter: drückende Hitze am Stelvio, Regen am Gavia und bei der Abfahrt so dichter Nebel, dass man kaum drei Meter weit sehen konnte. Am Mortirolo war die Nacht bereits hereingebrochen. Zum Glück – so blieb mir zumindest der Anblick der berüchtigten Steilheit erspart.
Bis zur zweiten Auffahrt nach Aprica lief alles nach Plan. Dann kam die Information über eine Streckenänderung: Statt über den Berninapass führte die Route von Tirano zurück nach Bormio, über den Passo Foscagno nach Livigno und weiter über den Passo Forcola di Livigno zum Bernina. Allein diese Nachricht ließ meinen Kopf streiken. Es folgten fast 100 zermürbende Kilometer bis Livigno – ein Abschnitt, der mich mental komplett gebrochen hat.
In Livigno kamen dann auch die ersten körperlichen Probleme. Ich bekam Schüttelfrost und musste mich übergeben. Mein Team hat mich wieder aufgepäppelt, versorgt und motiviert, sodass ich langsam weitermachen konnte. Am Berninapass wurde schließlich wieder die ursprüngliche Strecke aufgenommen.
Die nächste Hitzewelle wartete bereits am Albulapass und später am Flüelapass. Dort verschlechterte sich mein Zustand erneut, sodass ich eine längere Pause einlegen musste. Doch der Wille war stärker. Meter für Meter kämpfte ich mich weiter Richtung Ziel.
Am Ofenpass erwischte mich der nächste Regenguss, der mich bis zum Reschenpass begleitete. Dort kamen zum ersten Mal die Emotionen hoch – ich wusste, dass das Ziel nun zum Greifen nah war.
Im Ziel war da nicht nur die Freude über das Finish, sondern auch die Erfüllung eines lang gehegten Traums.
Mein größter Dank gilt meinem Team. Ohne dem hätte ich dieses Rennen niemals beenden können. Rund um die Uhr waren sie für mich da – Verpflegung, Motivation, Organisation und Unterstützung in jeder Situation. Einfach sensationell.
Das Race Across the Alps war seit vielen Jahren ein Lebenstraum. Leider standen diesem Traum zunächst ein schwerer Radunfall und später eine Autoimmunerkrankung im Weg. Trotzdem war der Gedanke an dieses Rennen immer präsent. Er hat mir die Kraft gegeben, zu kämpfen, zurückzukommen und niemals aufzugeben.
Manchmal ist ein Finish mehr als nur das Erreichen eines Ziels. Es ist der Beweis, dass Träume stärker sein können als Rückschläge.